Am 07. April 2017 ist die neue Luftverkehrsordnung in Kraft getreten.

Durch die damit verbundene Änderung von Luftverkehrsordnung (LuFTVO) und von Luftverkehrs Zulassungs Ordnung (LuFTVZO) ergeben sich auch Änderungen für den Modellflugbetrieb.

Hierbei ist zu vorab zu bemerken, dass die bisherige Erlaubnisfreiheit für Flugmodelle bis 5 Kilogramm Startmasse ohne Verbrennungsmotor oder mit Verbrennungsmotor bis 5 Kilogramm soweit das nächste Wohngebiet weiter als 1,5 Kilometer entfernt ist, beibehalten wird.

Auch die generelle Erlaubnispflicht für alle Arten von Flugmodellen, auch unter 5 Kilogramm, in einer Entfernung von weniger als 1,5 Kilometer zu Flugplätzen oder auf Flugplätzen bleibt bestehen.
Nur sind die entsprechenden Erlaubnisvoraussetzungen zukünftig in § 21 a LuFTVO aufgeführt statt in § 20 LuFTVO wie bisher. Die Änderungen (§§ 21a ff. LuFTVO) werden nachfolgend dargestellt.

Nachtflug

Jede Art von Modellfliegen bei Nacht ist zukünftig erlaubnispflichtig.

FPV-Fliegen

Fliegen per Videobrille oder per Monitor darf bis zu einer Höhe von 30 Meter betrieben werden, wenn entweder das Modell nicht schwerer als 250 Gramm ist oder ein Luftraumbeobachter eingesetzt wird. Bei Betrieb über 30 Meter bleibt es bei der Pflicht, ein Lehrer-Schüler-System einzusetzen, welches es dem „Lehrer“ ohne Videobrille ermöglicht, jederzeit die Steuerung zu übernehmen.

Menschenansammlungen

Das Fliegen über Menschenansammlungen ist nicht mehr nur erlaubnispflichtig, sondern generell verboten. Darüber hinaus ist auch ein seitlicher Sicherheitsabstand zu ihnen von 100 Meter einzuhalten.

Flughöhenbegrenzung von 100 Meter über Grund

Diese Flughöhenbegrenzung gilt nicht auf Modellfluggeländen mit Aufstiegserlaubnis mit Flugleiter oder wenn der Steuerer einen Kenntnisnachweis erworben hat. Für den Einsatz von Multikoptern gilt die 100-Meter-Grenze auch mit Kenntnisnachweis.

Naturgeschützte Gebiete

Der Überflug von Naturschutzgebieten, Nationalparks, FFH- und EU-Vogelschutzgebieten ist verboten, soweit nicht eine Genehmigung oder Befreiung vorhanden ist. Der Überflug von Landschaftsschutzgebieten ist nicht verboten, doch kann es sich aus der jeweiligen Verordnung über ein Landschaftsschutzgebiet ergeben, dass das Starten und Landen im Landschaftsschutzgebiet verboten oder erlaubnisbedürftig ist.

Flugverbote bezüglich besonderer Anlagen, Verkehrswegen und Ähnlichem

Der Modellflugbetrieb ist in folgenden Bereichen über und in einem seitlichen Abstand von 100 Meter verboten von: Industrieanlagen, Justizvollzugsanstalten, Einrichtungen des Maßregelvollzuges, militärischen Anlagen und Organisationen, Anlagen der Energieerzeugung und -verteilung, Einrichtungen, in denen erlaubnisbedürftige Tätigkeiten der Schutzstufe 4 nach der Biostoffverordnung ausgeübt werden, soweit nicht der Betreiber der Anlage dem Betrieb ausdrücklich zugestimmt hat, Grundstücken auf denen die Verfassungsorgane des Bundes oder der Länder oder oberste und obere Bundes- oder Landesbehörden oder diplomatische und konsularische Vertretungen, internationale Organisationen im Sinne des Völkerrechts ihren Sitz haben, Liegenschaft der Polizei und anderen Sicherheits- behörden, Bundesfernstraßen, Bundeswasserstraßen und Bahnanlagen. Diese Verbote gelten nicht soweit die zuständige Stelle beziehungsweise der Betreiber dem Betrieb zugestimmt hat.

Der Modellflug ist ferner in folgenden Bereichen über und in einem seitlichen Abstand von 100 Meter verboten von: Unglücksorten, Katastrophengebieten, Einsatzorten von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, mobilen Einrichtungen und Truppen der Bundesehr im rahmen angemeldeter Manöver und Übungen, Krankenhäusern. Die zuständige Landesluftfahrtbehörde kann eine Ausnahmegenehmigung von diesen Verboten erteilen.

Fliegen in Wohngebieten

Zukünftig ist für das Fliegen in Wohngebieten neben dem Einverständnis des Grundstückseigentümers des Grundstücks von dem aus gestartet oder gelandet wird, auch das Einverständnis der Grundstückseigentümer notwendig, über deren Grundstücke geflogen wird. Im Außenbereich außerhalb von Wohngebieten ist weiterhin nur das Einverständnis des Grundstückseigentümers des Grundstückes, von dem aus gestartet oder gelandet wird, notwendig.

Fliegen in Kontrollzonen

Das Fliegen in Kontrollzonen ist verboten, soweit nicht eine Flugverkehrskontrollfreigabe der Flugsicherung erteilt wurde. Für die meisten zivilen Verkehrsflughäfen ist für Flugmodelle eine allgemeine Freigabe bis 30 Meter erteilt worden. Ab einer Flughöhe über 50 Meter über Grund ist zusätzlich noch eine Ausnahmegenehmigung der Landesluftfahrtbehörde notwendig.

Ab dem 01. Oktober 2017 gelten zusätzlich folgende Änderungen:

Kenntnisnachweis für Modelle ab 2 Kilogramm

Steuerer von Flugmodellen mit einer Startmasse von mehr als 2 Kilogramm benötigen ab dem 01. Oktober 2017 einen Kenntnisnachweis. Ebenfalls einen Kenntnisnachweis benötigt, wer außerhalb eines Modellfluggeländes mit luftrechtlicher Aufstiegserlaubnis ein Flugmodell (keinen Multikopter) über 100 Meter über Grund betreiben möchte. Der Kenntnisnachweis wird von einem vom Bundesverkehrsministerium beauftragten Luftsportverband – derzeit DMFV und DAeC – oder einem von ihm beauftragten Verein ausgestellt. Beide Verbände sind in der inhaltlichen Ausarbeitung ihrer Einweisungslösungen sehr weit. Beide Organisationen haben sich zum Ziel gesetzt, die strukturellen Möglichkeiten für die Erlangung der Bescheinigung zeitnah zur Verfügung zu stellen. Unter anderem sind Online und Printoptionen vorgesehen. Die Personen, die über die Verbände eine solche Bescheinigung erhalten, werden in einer entsprechenden Datenbank registriert. Der Kenntnisnachweis hat eine Einweisung über die für Flugmodelle einschlägigen rechtsgrundlagen und über die örtliche Luftraumordnung zur Grundlage. Für den Betrieb auf Modellfluggeländen mit Aufstiegserlaubnis und Flugleiter ist kein Kenntnisnachweis nötig.

Mindestalter 14 Jahre

Da der Kenntnisnachweis erst ab einem Alter von 14 Jahren erworben werden kann, bedeutet dies ein Flugverbot für Jugendliche und Kinder unter 14 Jahren mit Modellen schwerer 2 Kilogramm. Dieses Verbot gilt nicht auf Modellfluggeländen mit Aufstiegserlaubnis und Flugleiter, da für den Betrieb auf diesen Geländen, auch über 100 Meter kein Kenntnisnachweis notwendig ist. Daher dürfen Kinder und Jugendliche unter 14 auf Modellfluggeländen mit Aufstiegserlaubnis und Flugleiter auch Modelle über einer Startmasse von 2 Kilogramm steuern.

Kennzeichnungspflicht

Flugmodelle ab einer Startmasse von 250 Gramm (statt wie bisher 5 Kilogramm) unterliegen der Kennzeichnungspflicht. Sie erfordert, dass der Eigentümer eines Flugmodells an sichtbarer Stelle seinen Namen und seine Anschrift in dauerhafter und feuerfester Beschriftung an dem Modell anbringen muss.
 
(Quellenverweis: DMFV - Modellflieger 03/2017, Carl Sonnenschein - Rechtsanwalt)